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December

2020

26.12. - Im Dunkel der Nacht bei der Krippe

Bruder Jeremias OSA

"Zwölf Heilige Nächte" - Impuls von Pfarrer Martin Möslein:

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December

2020

25.12. - Ansehen und Geburt

Bruder Jeremias OSA

12 Heilige Nächte: Weihnachten

Predigt für den Weihnachtstag 2020

Dialog zwischen Monika und Jeremias zu Johannes 1,1-18 (Johannes-Prolog)


Jer: Ein wunderschöner Text, Monika! Toller Hymnus! Aber verstehen kann manden irgendwie nicht so recht, oder?

Mo: Stimmt. Schön, aber auch ganz schön schwer.

Jer: Hast du's bemerkt? Dieser Johannes-Prolog geht genauso los wie die Bibel und damit der erste Schöpfungsbericht: „Im Anfang war...“ Als wollte der Evangelist Johannes nochmal ganz von vorne beginnen.

Mo: Genau. Am Anfang beginnt alles im Himmel, mit Gott und bei Gott. Aber fast genauso wichtig ist, dass es dann hinunter geht auf die Erde. Und da beginnt es mit Johannes dem Täufer.

Jer: Es gibt lauter ziemlich krasse Gegensätze: Himmel und Erde. Im Himmel: das Licht. Auf der Erde: die Finsternis. Es scheint wohl nichts dazwischen zu geben?

Mo: Ja, es gibt nur unvereinbare Gegensätze, also Licht – Finsternis, Wort – Fleisch; oder auch Gesetz – Gnade... Nur schwarz – weiß...

Jer: Das ist doch das Denken der "Gnosis" damals. Aber so denken heute ja auch viele, nur schwarz – weiß! Da kann man die Welt schön einfach, aber eben nur dualistisch erklären. Puh! Da schüttelt's mich! So funktioniert das doch nicht!

Mo: Siehst du nicht die Verbindung, die Johannes beschreibt? Die Brücke, die er benennt und mit der er den krassen Dualismus eben doch überbrückt? Diese Brücke ist der Vers 14: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut“ (Joh 1,14a).

Jer: Wo liegt da die Verbindung?

Mo: Na, aus der Sicht der Menschen können Licht und Dunkel, Himmel und Erde nie zusammenfinden. Und doch haben Himmel und Erde sich nun verbunden: Gott kommt auf die Erde! ER „wohnt“ sogar unter den Menschen – gleich in der Nachbarschaft! ER wird dir zum Nachbarn!

Jer: Jetzt erinnere ich mich, dass ich gehört habe, das griechische Original könnte man besser übersetzen mit: „ER hat unter uns gezeltet“. Dann kommt da sogar noch eine Dynamik rein. Denn dieser „Gott in der Nachbarschaft“ zieht mit, wenn wir Menschen, die ja irgendwie so Halbnomaden sind, mal wieder die Zelte abbrechen und weiterziehen. Dann wechselt auch Gott das Lager und zieht mit. Ach ja, und wenn Zelte beieinander stehen – also durch die Zeltbahnen kriegst du ganz schön viel mit, was nebenan los ist!

Mo: Dann geht es also darum: Gott will, dass die Menschen viel von IHM mitkriegen und in diesem Kennenlernen dann Beziehung entsteht. Also geht es beim Glauben vielleicht nicht in erster Linie darum, die ganze Theologie zu verstehen: wer Gott ist oder was genau die Bibel sagt? ...

Jer: Hey, natürlich ist Theologie total spannend! Es lohnt sich sicher, in der Bibel zu lesen – und zu meditieren! Aber beim meditieren geht es ja tatsächlich nicht um das kognitive Verstehen. Bibel und Stille und Meditation dienen dazu, unserer Beziehung zu Gott Raum zu geben, sie tiefer werden zu lassen. Gott kann niemand begreifen und verstehen. Aber ER ist es doch, der den Gegensatz überbrückt und uns Beziehung anbietet!

Mo: Es heißt sogar: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12). Das bedeutet doch, dass man da gar nicht so viel tun und machen muss. Ihn aufnehmen: wenn ich da noch mal an dieses Bild "Gott als Nachbar" denke oder an das "Zelten Gottes neben mir", dann nehme ich ihn auf, wenn ich die Tür öffne. Also mein Herz öffne, sage: Ja, ich möchte es versuchen mit dir, Gott. Im Grunde geht’s darum, Gottes Beziehungsangebot anzunehmen.

Jer: Kinder Gottes werden hat übrigens noch eine weitere Nuance. Hebräisch gehen die Volksbezeichnungen immer so, dass die Israeliten eben die „Söhne bzw. Kinder Israels“ genannt werden. „Kinder Gottes“ heißt also das „Volk Gottes“, zu dem jeder gehört, der Gottes Beziehungsangebot annimmt.

Aber noch schöner finde ich, wie Beziehung beschrieben wird: Jesus ruht am Herzen des Vaters. Johannes ruht beim letzten Abendmahl am Herzen Jesu. Was da in der Passion geschieht, kann man ja auch kaum begreifen. Aber in der Ruhe am Herzen des Freundes erschließt sich vieles wie von selbst. Sozusagen von Herz zu Herz.

Mo: Himmel und Erde verbinden sich in Jesus Christus. Durch seine Menschwerdung und letztlich auch durch das Kreuz. Das sind die zwei großen Brücken Gottes zu den Menschen.

Jer: Mir gefällt auch diese Formulierung: Alle empfangen „aus Seiner Fülle Gnade über Gnade“.

Mo: Ja, mir auch. Ich denke da immer an die römischen Brunnen: Von Schale zu Schale fließt das Wasser. Und ich stehe unten und empfange das kühle Wasser...



Da gibt es ja dieses schöne Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer: Römischer Brunnen


Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

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December

2020

12 Heilige Nächte: Heiligabend 2020

Bruder Jeremias OSA

Hier der erste Impuls zu den "12 Heiligen Nächten" - heute von Fabian Marx:

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December

2020

Candle lighting day 2020: Gedenkgottesdienst in Regler

Bruder Jeremias OSA

Alljährlich am zweiten Sonntag im Dezember wird der weltweite "Candle lighting Day" begangen. Eltern trauern um ihre verstorbenen Kinder und stellen um 19.00 Uhr eine brennende Kerze ins Fenster. Der Verein "Verwaiste Eltern Erfurt eV" lud wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nicht in die Michaeliskirche zum Gedenkgottesdienst. Statt dessen wurde der Gottesdienst in der Reglerkirche aufgezeichnet und ins Netz gestellt. Auch die Thüringer Abendschau im mdr berichtete am Sonntag vom Gottesdienst, den Br. Jeremias mit den Beraterinnen gestaltete.

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November

2020

Allerseelen 2020

Bruder Jeremias OSA

Confessiones IV 7:

„O Irrwahn, der Menschen nicht menschlich zu lieben versteht! O törichter Mensch, der Menschliches maßlos leidet! So war ich damals. Ich war in Aufruhr, ich seufzte und weinte und war verstört, und alle Ruhe war dahin und aller Verstand. Ich trug meine Seele zerschlagen und blutend herum, und hielt es nicht aus, dass ich sie noch trug, und ich fand doch keine Stätte, sie niederzulegen. Nirgend kam sie zur Ruh
                                         nicht im lauschigen Hain,
                                         nicht bei Spiel und Gesang;
                                         weder im salbenduftenden Bad,
                                         noch beim wohlbereiteten Mahl –,
                                         noch im Lager und Bett mit ihrer Lust;
                                         auch nicht über Buch und Gedicht.
Alles war mir zum Überdruss, selbst das Licht, und alles, was nicht war, was er gewesen, war mir anstößig und verleidet, erwünscht nur Seufzer und Tränen; denn darin allein fand meine Seele einigermaßen Ruhe; aber sowie sie davon abgezogen wurde, lastete auf mir mein Elend mit seiner ganzen Wucht.“

Als sein bester Freund nach kurzer Krankheit stirbt, versinkt Augustinus in einem Meer von Trauer bis hin zum Selbstmitleid. Nichts ist mehr wie früher. Alles scheint den Sinn verloren zu haben. Schönheit und Musik, ja sogar gutes Essen – nichts kann ihm mehr Freude machen.

Vielleicht haben Sie auch schon einmal so getrauert. Man verliert die Lust zu leben. Vielleicht gibt es sogar tief drinnen den Gedanken: „Wie konntest du, der gegangen ist, mir das nur antun?!“ – All das kann Teil der Trauer sein. All das muss man vielleicht so zulassen, damit die Trauer durchlebt wird – und irgendwann dem Trost den Raum überlässt.

Ich begrüße Sie alle herzlich zu diesem Trauergottesdienst am Allerseelentag. Wir gedenken der Menschen, die uns schon genommen wurden. Vielleicht sind wir mit dem ein oder anderen Sterben noch lange nicht im Frieden. Vielleicht gönnen wir anderen aber auch den Tod, weil wir wissen, sie sind erlöst und nun gut geborgen in Gottes Nähe.

Wir feiern heute Abend die Eucharistie: den Dank an Gott, weil er uns mit all diesen Menschen in Verbindung gebracht hat, weil er uns durch sie reich beschenkt hat, weil wir nichts zurückgeben können, was wir ihnen verdanken, außer wenn wir ihrer vor Gott am Altar gedenken.

Heute Abend nähren wir nicht das Selbstmitleid, sondern vor allem das Vertrauen, dass wir nie aus Gottes Güte herausfallen können, ja dass selbst der Tod uns das Entscheidende schenken muss: das ewige Leben bei Gott.

Ich danke Madlen Kanzler für die musikalische Gestaltung. Deine Musik soll unsere Gedenken vertiefen und uns zum Trost erklin­gen. Danke auch Nic Elß für die Vorbereitung und Auswahl der Augustinus-Texte, die (fast) alle den Confessio­nes entnom­men sind.

Bitten wir den HERRN, dass er uns weit mache, Schuld und Sünde von uns nehme und unsere Trauer wandle mit dem Trost, den ER allein geben kann.

Confessiones IV 9:

„Selig, wer dich liebt und den Freund in Dir und den Feind um Deinetwillen. Denn der allein verliert keinen Teuren, dem alle teuer sind in dem, den man nicht verliert. Und das ist allein unser Gott, [...], der Himmel und Erde geschaffen hat und alles Erschaffene erfüllt.“

Confessiones I 13:

„Groß bist du, Herr, und hoch zu preisen“, und "groß ist deine Macht und deine Weisheit unermesslich". Und preisen will Dich der Mensch, ein kümmerlicher Abriss deine Schöpfung, ja der Mensch, der herumschleppt sein Sterbewesen, herumschleppt das Zeugnis seiner Sünde und das Zeugnis, dass Du „den Hochfährigen widerstehst“.

Und dennoch preisen will Dich der Mensch, ein kümmerlicher Abriss Deiner Schöpfung.

Du selber reizest an, dass Dich zu preisen Freude ist; denn geschaffen hast du uns zu Dir, und ruhelos ist unser Herz, bis es seine Ruhe hat in Dir… Denn wer ihn sucht, wird ihn finden, und wer ihn findet, wird ihn preisen. Ich will Dich suchen, mein Herr, mit meinem Rufen, und ich will dich rufen, indem ich an Dich glaube, denn verkündigt worden bist du uns. Herr, es ruft Dich mein Glaube, der Glaube, den Du mir gegeben hast, den Du mir eingegeben hast durch das Mensch­sein deines Sohnes, durch das Amt Deines Predigers.

Präfation | Verstorbene I:
Die Hoffnung der Gläubigen

In Wahrheit ist es würdig und recht,
dir, Herr, heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott,
immer und überall zu danken durch unseren Herrn Jesus Christus.

In ihm erstrahlt uns die Hoffnung, dass wir zur Seligkeit auferstehn.

Bedrückt uns auch das Los des sicheren Todes,
so tröstet uns doch die Verheißung der künftigen Unsterblichkeit.

Denn deinen Gläubigen, o Herr, wird das Leben gewandelt, nicht genommen.

Und wenn die Herberge der irdischen Pilgerschaft zerfällt,
ist uns im Himmel eine ewige Wohnung bereitet.

Darum singen wir mit den Engeln und Erzengeln, den Thronen und Mächten
und mit all den Scharen des himmlischen Heeres den Hochgesang von deiner göttlichen Herrlichkeit:

Confessiones XIII 35 und X 28:

Herr Gott, gib uns den Frieden, den Frieden der Ruhe ohne Ende; wo wir ganz dir anhangen werden, mit unserem ganzen Sein. Dann wird uns kein Schmerz mehr quälen und keine Plage bedrücken. Dann wird unser Leben, ganz von dir beseligt, das wahre Leben sein.

Soliloquien I:

Gott, von dir weggehen heißt sterben, zu dir zurückkehren heißt auferstehen, in dir sein heißt leben.

Confessiones XII 12:

„In all ihrer Nichtigkeit bekennt meine Zunge „Deiner Hoheit“, dass Du es bist, der Himmel und Erde gemacht hat. Diesen Himmel, den ich sehe, und die Erde, die ich trete, und von wannen auch dieser Erdenstaub genommen ist, den ich trage: Du hast sie gemacht.

Aber wo ist „der Himmel des Himmels“, Herr, von dem uns Kunde wird im Psalm: "Der Himmel des Himmels  ist dem Herrn, aber die Erde gab er den Menschenkindern“? Wo ist der Himmel, den wir nicht sehen, und dem verglichen all das, was wir sehen, Erde ist?

Denn dieses körperhafte Allganze, das ja nicht in jeglichem Einzelnen all-ganz ist, hat zwar noch in seinen äußeren Bereichen die Schöne empfangen, der unsere Erde hier der tragende Boden ist, aber im Vergleich mit jenem „Himmel des Himmels“ ist selbst auch unser irdischer Himmel nur Erde, und diese Beiden großen Weltkörper bilden zusammen das, was nicht unpassend schlechthin die Erde heißt, nämlich gegenüber jenem unfassbaren „Himmel des Himmels“ der dem Herrn gehört“ und nicht „den Menschenkindern“.

Confessiones XI 29:

Ich vergesse, was vergangen ist, und strecke mich aus nach dem, was ewig bleibt. Gesammelt und achtsam will ich der Freude dei­nes Hauses entgegeneilen, wo ich deinem Lobgesang lausche.

RIP