Auf einmal sah ich sie liegen, die kleine Kastanie. Unscheinbar, unauffällig lag sie einfach da. Zwischen vermoderndem Laub, etliche kalte Nächte schon hinter sich. Das konnte ich sehen. Sie lag einfach da, sich selbst überlassen. Vielleicht aber auch mit Gelassenheit. Erwartend, was kommen könnte, oder sollte, müsste? Da kam Ich.
Und ich nahm sie mit, nahm sie auf in meiner warmen Hand, was mir guttat. Wie es ihr dabei ging, blieb ihr stilles Geheimnis.
Und das bewahrte sie, auch nach Tagen noch, als ich sie fast vergessen, schließlich doch auf Watte legte. Ihr zu trinken gab. Und Zeit.
Nur das Licht beugte sich über sie. Und hin und wieder ein scheuer Blick von mir.
Stille Hoffnung, mehr nicht.
Aber dann, ein blasses Beinchen erst, oder Ärmchen, es streckte sich aus, lautlos, wehrlos. Endlich meinem Blick begegnend. Ihr großes Geheimnis zeigend. Nun darf ich ahnen, was aus aller Unscheinbarkeit aufscheint.
Ist dieses Werden nicht wie das, was auch in mir/ in uns sich unscheinbar verborgen, lauernd zurückhält, bis, …, ja bis wann eigentlich?
Bis Gottes Liebe wehrlos, hilflos sich aus mir streckt. Wie das Wurzelchen der Kastanie?
Madeleine Delbrêl schreibt:
„Wird sie, diese Liebe, die uns bewohnt, die in uns aufbricht, uns nicht umwandeln?“
Und sie betet: „Herr, Herr, lass wenigstens diese Kruste, die mich bedeckt, kein Hindernis für dich sein. Geh durch. Meine Augen, meine Hände, mein Mund sind dein.
Aschermittwoch: Lassen wir alle Unscheinbarkeit der kommenden Tage zu, das Geheimnis hütend darf es wachsen, trotz kalter Nächte hinter uns, vor uns? Bis sein Licht den zarten Schrei erwartet: Es ist, es wird vollbracht.
Martin Möslein
In dieser Fastenzeit laden wie Sie und euch wieder ein, unseren Video-Impulsen zu folgen:
Und hier kommt gleich das erste Video: Die Legende vom Vierten König - nach Edzard Scharper, gekürzt und gelesen von Fabian Sieber:
1.) Welches Geschenk würden Sie / würdest Du mit auf den Weg zur Krippe nehmen?
2.) Sterne sind im Dunkeln am besten zu sehen. Wann haben Sie / hast Du in Deinem Leben zuletzt einen Stern gebraucht - und gefunden?
3.) Der vierte König macht sich auf die Suche nach einem neugeborenen Kind und findet den Gekreuzigten. Manchmal ist Gott überraschend anders, als wir ihn erwarten und wünschen. Wurde Ihre / Deine Vorstellung von Gott schon einmal auf die Probe gestellt?
(nach: Edzard Schaper, Der Vierte König. Ein Roman; gekürzt und gelesen von Fabian Sieber)
An Weihnachten verkündete ein Engel den Hirten auf dem Feld die Geburt des Messias. Die Heiligen drei Könige kamen zu spät um seine Botschaft zu hören. Sie folgten dem Stern und gelangten über diesen Um-Weg zur Krippe. Ja, und dann gibt es noch den vierten König. Seine Geschichte wird nicht erzählt; er ist der Geschichte abhanden gekommen; er ist überzählig, und deshalb spricht niemand von ihm und verehrt ihn keiner. Aber wenn man das erzählen will, was bis heute bekannt ist, dann müsste die Geschichte wohl so lauten:
Als das Jesuskind in Bethlehem geboren werden sollte, erschien der Stern, der seine Geburt anzeigt, nicht nur den weisen Königen im Morgenlande, sondern auch einem König im weiten Russland. Es war kein großer, mächtiger Herr oder besonders reich oder ausnehmend klug und den Künsten der Magie ergeben. Er war ein kleiner König mit rechtschaffenem Sinn und einem guten, kindlichen Herzen, menschenfreundlich, sehr gutmütig, gesellig und einem Spaß durchaus nicht abgeneigt. Dass einmal ein Stern am Himmel erscheinen und die Herabkunft des Allherrschers über das ganze Erdreich ankündigen würde, und dass der Königsspross, der dann in Russland herrschte, aufbrechen und dem größeren Herrn als Gefolgsmann huldigen müsste, dass wusste unser kleiner König von allen seinen Vätern und Vorvätern her. Die hatten diese Verheißung durch viele Geschlechter bewahrt und jedem ihrer Nachfolger weitergegeben.
Er hatte eine Riesenfreude, der kleine König in Russland, dass der Stern, der das größte Ereignis der Welt ankündigte, gerade zu der Zeit am Himmel erschien, in der er, noch jung an Jahren, am Regieren war. Und so beschloss er, sogleich aufzubrechen. Großes Gefolge wollte er nicht mitnehmen, das lag ihm nicht, und nicht einmal einen von seinen treuesten Knechten, denn es war nichts darüber bekannt, wo der größte Herrscher geboren werden und wie weit seine Reise ihn führen würde. Er wollte sich allein auf die Suche machen. Also ließ er sich sein Lieblingspferd Wanka satteln – keinen Streithengst oder dergleichen, sondern nur so ein kleines, unverwüstliches russisches Pferchen: zottig und mit einer Stirnlocke, dass die Augen kaum den Weg erkennen konnten, auf dem sein Herr es lenkte, aber ausdauernd und genügsam, wie man es für eine weite Reise braucht. „Aber halt!“, dachte da der kleine König, „mit leeren Händen geht man nicht huldigen, zumal es nicht nur einem hohen, sondern dem höchsten Herrn gilt“.
„Die Reiche dieser Welt“, dachte er bei sich, „beurteilt ein weiser Mann stets nach der Tugend und dem Fleiß ihrer Frauen“. Also nahm er etliche Rollen vom schönsten, zartesten Linnen mit, das die Frauen seines Landes aus dem dort gewachsenen Flachs gewebt hatten.
Dies war die Gabe, die der kleine König mitnahm. Und nachdem er den Seinen alles gut anvertraut und ihnen gesagt hatte, wie sie's mit allem halten sollten, bis er wiedergekommen war, ritt er eines Nachts auf Wanka davon, denn da leuchtete der Stern ja am hellsten.
Zwei, drei Monde lang war er schon unterwegs, da hatte er eines Nachts, als der Stern besonders prächtig am Himmel wanderte, eine ganz seltsame Begegnung. Das erste was, was er im Dunkel erkannte, dünkte ihm wandernde Hügel zu sein. Beim Näherkommen dann gewahrte er, dass es eine vornehme Reisegesellschaft sein musste, welche es der Kühle wegen vorzog, bei Nacht unterwegs zu sein, oder welche dem Stern eben so viel Beachtung schenkte wie er selbst. Nur ritten die Herren und ihr großes Gefolge nicht Pferde, sondern Kamele, die wie in Filzstiefeln einher schlurften.
Und was ihn wandernde Hügel gedünkt hatten, waren die höckerigen Rücken der schwer bepackten Kamele.
Als der flinke Trab des russischen Pferchens die Gesellschaft eingeholt hatte fragte er die drei Herren, woher sie kämen und wohin sie wollten, und diese nannten ihm Reiche im Osten, aus denen sie einmal aufgebrochen waren, von denen unser kleiner König noch nie erzählen gehört hatte. Ihr Ziel aber – ihr Ziel war sein eigenes Ziel: der Ort, über welchem der Stern stillstand! Dort, sagten sie, sei ihnen offenbart worden, werde ein Kind geboren werden, das der größte König, der weiseste Prophet und der höchste Priester aller Zeiten und Zonen war. Und diesem Kind müssten sie huldigen und es anbeten. Der kleine König kam aus dem Staunen nicht heraus und wie sie erzählten verging die Nacht, der Stern verblasste und die Sonne ging auf.
Der kleine König sah an seinem staubigen, verschlissenen Reitrock hinunter und schämte sich, und die drei großmächtigen Herren aus dem Osten schienen ihm mit ihrem gemessenen Schweigen zu bedeuten: für einen, der im Dunkeln ein so großes Wort geführt, sähe er im Hellen gar zu klein aus.
Als sie zu einer Herberge gelangten, in der die drei sich durch einen Vorreiter angesagt hatten und wo alles für ihren Empfang gerüstet war, ließ der kleine König sich gar nicht darauf ein, die missliche Rolle eines Überzähligen zu spielen.
Wie er es gewohnt war, nahm er Platz in der Scheuer und legte sich neben seinem Pferdchen Wanka zum Schlaf nieder.
Er schlief und träumte prächtig, aber als er aufwachte, geschah es von einem Stöhnen, in welchem aller Welt Jammer laut zu werden schien. Verwundert rieb er sich den Kopf, weil er doch allein zu sein meinte, da ward er gewahr, dass nach ihm sich noch jemand eingeschlichen hatte. Es war ein junges Bettelweib, das hier untergekrochen war, um seine schwere Stunde unter einem schützenden Dach zu erwarten, und während er gemächlich geschlafen, hatte sie einem Mädchen das Leben geschenkt.
Niemand war da, der Mutter und Kind hätte beistehen können, als er allein. Gewohnt war der kleine König die Arbeit nicht, die jetzt auf ihn wartete, aber aus gutem Herzen meinte er, sich nicht versagen zu dürfen. Er holte der jungen Mutter aus der Herberge etwas zu essen und zu trinken, und weil sie in den letzten Tagen nichts von den Leuten bekommen hatte, füllte er auch ihren Beutel mit ein paar Goldstücken aus seinem ledernen Säcklein auf. Nur das Kindlein hatte es noch ganz erbärmlich. … Mit gerunzelter Stirn betrachtete der kleine König immer wieder dessen elende Blöße. - „Ach, du armer Schreck!“ sagte er schließlich, „welcher Liederjahn auch dein Vater gewesen ist, der dir nicht mehr als die dünne Haut auf diese Welt mitgegeben hat – so lasse ich dich nicht!“ Und er ging hin, packte seine Satteltasche auf, entnahm ihr die Rollen heimatlichen Linnen und trennte ein halbes Dutzend der schönsten Windeln, volles, breites Maß davon ab.
Als er für alles Notwendige gesorgt hat, dass Mutter und Kind unbesorgt der kommenden Nacht entgegensehen konnte, war es schon Abend geworden. Der kleine König sattelte sein Pferdchen und nahm von der Bettlerin Abschied. „In meinem Land,“, sagte er zu ihr, „solltest Du es besser haben.“ und er erzählte ihr vom traulichen Russland, in dem alle Bettler der Barmherzigkeit sicher sein konnten, ohne zu sagen, wer er dort war. „In meinem Land,“ entgegnete ihm die Bettlerin mit schwacher Stimme, „solltest du der König sein. Aber ich gelte ja gar nichts, und deshalb kann ich dich nur zum König über mein Herz machen. Das aber tue ich sicher, von dieser Stunde an.“
„Sieh an“, sagte sich der kleine König glücklich, „vom Gold und vom Linnen für den großen Allherscher habe ich freilich einiges weggegeben, aber dafür habe ich jetzt auch in der Fremde mein eigenes Land, und vielleicht ist solch ein Herzens-Land nicht das Schlechteste. Wenn nur der große König mir verzeiht ...“
Als er sein Pferd auf den Hof der Herberge führte, lag der weit und verlassen da. Die Karawane der drei großmächtigen Fremden, sagten die Leute, sei beim ersten Sternen-Strahl davongezogen. Da wiegte der kleine König nachdenklich den Kopf. Zum ersten Mal auf der ganzen Reise schlich sich ein Bangen in sein Herz ein, und ein dunkles Gefühl, dass er gefehlt oder etwas versäumt haben könnte. Aber dann fasste er sich, legte den Leuten noch einmal die Bettlerin mit ihrem Kinde ans Herz und ritt davon.
Er ritt und ritt. Er ritt diese Nacht und die folgende und alle Nächte, die noch kamen. Längst hatte er alle Lieder der Heimat gesungen, die er in seinem Gedächtnis bewahrte und sich selbst und Wanka des Nachts zur Ermunterung vorsang. Und es kam die Nacht, da kniete er neben Wanka, seinem Pferdchen, das krank war und nicht aufstehen wollte. „Wer“, sagte der kleine König und sah dem Pferchen in die Augen, in deren unergründlichem Blick schon blaue Schleier dahin zu wehen schienen, „wer wird mich zu meinem Stern bringen und wer wird mich zurücktragen in die teure Heimat, wenn nicht du, Freund?“
Doch da war Wanka schon tot.
Als dem kleinen König das aufgegangen war, saß er noch viele Stunden neben dem vierbeinigen Freund und spielte mit dem Zotteldickicht der Mähne und wartete auf den Stern.
Der Stern kam in der ersten Nachtstunde nicht und nicht in der zweiten, nicht in der dritten und nicht in der vierten, der König mochte sich die Augen ausstarren, so viel er wollte.
„Was hat das alles genutzt?“ dachte er verbittert, „Hungrige zu speisen, Nackte zu kleiden, alles zu verstreuen und dabei nur die Tränen des eigenen Unglücks zu säen. König zu werden über das Herz eines Bettelweibes, haha! Darauf habe ich mir einmal etwas eingebildet, ich Narr! Jetzt komme ich trotz allem zu spät und komme ich zurecht, dann bin ich ein Bettler, den man nicht vorlässt.“
Von der zweiten Nacht an, in welcher der Stern nicht mehr leuchtete, wurde der kleine König aus Russland eine Art Landstreicher.
Er ging und ging, ging tagsüber und nachts, ging mal mit Hoffnung im Herzen und mal mit Trotz und Verzweiflung oder mit Kummer, aber er hatte kein rechtes Ziel mehr. Weder in seiner Seele, noch vor Augen. Und so verstrickte er sich in das Unglück und die Händel der Welt, die ihn hier ärger dünkte als ein König sie je zu bessern vermöchte – und sei es der größte König aller Zeiten und Zonen.
Eines Morgens war der kleine König ans Meer gekommen, in eine fremdartig schöne Hafenstadt, und hatte vom Morgengauen an drunten am Wasser gesessen und zugeschaut, wie die Morgenröte sich gleich Perlmutt in den Wellen brach. Ach!
Dann war er Zeuge eines wilden Auftritts geworden. Eine Galeere, die im Hafen lag, war zur Abfahrt bereit; nur fehlte ein Mann.
Der Mann an den Riemen, der fehlte, war tot. Er war ein säumiger Schuldner des Schiffsherren gewesen und jener hatte ihn durch das Gericht dazu verurteilen lassen, auf einem seiner Schiffe zu dienen, bis er mit der Kraft seiner Arme die Schuld abverdient habe. Diese Arme waren nicht stark genug gewesen. Nun aber kamen der Schiffsherr und seine Knechte und führten zwischen sich den halbwüchsigen Sohn des Toten, der in des Vaters Fessel geschmiedet werden sollte und nebenher ging seine noch junge Mutter und flehte den Schiffsherrn um Erbarmen an. Aber als der Schiffsherr an der Hafenbrücke Befehl gab, den Knaben ins Schiff zu bringen und ihn in die Fessel zu legen, sprang der kleine König von seinem Platz abseits hervor und trat unter die Leute. Dann gehe er statt des Knaben, sagte er leise und blickte den Schiffsherrn herausfordernd an.
Das erste, was er hörte, war ein höhnisches Lachen. Dann hatten die Augen des Schiffsherrn ihn eingeschätzt, wie der Metzger ein Stück Vieh betrachtet, das ihm zur Schlachtung geboten wird. - Oho! Traut er sich's zu? Er solle es sich dreimal überlegen, sagte der Schiffsherr. Die Reise sei nicht so bald zu Ende, wolle er die Zeche, die ihm sein Vorgänger eingebrockt bis zum letzten Heller bezahlen.
Nun kam die Zeit im Leben des vierten Königs, von der so schnell erzählt ist, und die zu leben doch so lange, so grausam lange währte, beinahe dreißig Jahre lang. Dreißig Jahre auf der Galeere. Er war arglos gewesen, als er sich für den Knaben der Witwe in die Fessel des Toten hatte schließen lassen und hatte gar nicht nach der Höhe der Schuld gefragt, die der Tote ihm hinterlassen, und wie lange er rudern müsse, um sie ab zu verdienen.
Er wurde dem Toten gleich. Aus den tief eingesunkenen Augen des abgemagerten Gesichts konnte er vor sich hinstarren, ohne dass jemand zu sagen vermocht hätte, ob er überhaupt etwas sah, ja ob er lebte. Sein Blick glich mit jedem Jahr mehr jenem, den er vor langer, langer Zeit eines Morgens in den großen Augen Wankas gesehen und damals nicht zu ertragen vermocht hatte. Unsägliche Reue erfüllte seine Jahre. Er hatte alles vertan, wie er meinte, er hatte sinnlos verschwendet. Gar nicht zu reden davon, dass er nicht des Allherrschers Vasall werden konnte – er war nicht einmal mehr der Krone in der Heimat würdig. Längst hatte sie sich gewiss auch ein anderer aufgesetzt und er war vergessen. Nur wunderte er sich von Jahr zu Jahr mehr, warum die Herrschaft des größten Königs, dem zu huldigen er ausgezogen war, sich gar nicht mit einer Wende zum Besseren in ihrem elenden Leben der Galeere bemerkbar machte.
Als man den kleinen König eines Tages aus dem Dienst entließ, musste man ihn an Land tragen. Er taugte nicht mehr für die Galeerenbank, er taugte nur noch zum Sterben.
Er ging wieder auf die Landstraßen hinaus, auf denen er einst daheim gewesen war, bevor die Galeerenbank sein Platz im Leben geworden war. Sein alter, müder Kopf fasste das Gegenwärtige kaum, die Augen gingen ihm über von allem was er an Merkwürdigem sah und seine Ohren fassten die verwirrende Vielfalt des Lärmens nur, wo er einzelnes, von den Scharen des Volkes fortwährend wiederholt hören konnte.
Das Geschrei der Menge galt einem König. Doch begriff der vierte König noch nicht, was es mit diesem König auf sich hatte und ob die Menge, die durch die Straßen drängte, vielleicht unterwegs war, diesem König zu huldigen oder ob sie sich wieder ihn zum Aufruhr erhob. Was für ein König war das?
„Sie haben den Größten und wollen ihn zum Geringsten machen.“ hörte er mit einem Mal eine Stimme neben sich. Aber als er die Augen auftat, musste er in seiner Verwirrung lange nach dem Menschen suchen, der diese Worte gesprochen hatte, bis er – beinahe zu seinen Füßen – eine alte Bettlerin gewahrte.
Er starte sie an und musste etliche Male von neuem ansetzen, bis er die wenigen Worte über die Lippen bekam: „Was sagst Du? Von wem sprichst Du?“ Sie blickte ihn, wie er meinte, mit einem spöttischen Lächeln an: „Weißt du das nicht, und bist auf allen Straßen in Samaria und Galiläa unterwegs?“ Er schüttelte stumm den Kopf. Sein Herz pochte ihm zum Zerspringen.
„Sie haben einen König, von dem die Heiligen Schriften und die Propheten sagen, dass er der Sohn Gottes selber ist; er hat Kranke geheilt und Tote auferweckt; aber jetzt fordern sie von den Heiden, dass er ans Kreuz geschlagen werde.“
„Woher … Woher weißt Du das?“ fragte der kleine König. Die Alte blickte ihn mit nachsichtiger Geringschätzung an: „Man bekommt nicht nur Almosen;“ sagte sie, „man bekommt auch etwas zu wissen.“
Der kleine König war wie von Sinnen. Ein König. Von dem die Heiligen Schriften und die Propheten verkündet hatten, dass er Gottes Sohn sei und er … „Sag, wie alt ist dieser König“, forschte er die Alte in herrischem Ton aus.
„Der?“ erwiderte sie gleichmütig. „Man sagt, er sei um die Dreißig herum.“ „Dreißig, dreißig“, murmelte er, als sei darin das größte Rätsel der Welt und seines Lebens verborgen. „Dreißig“, sagte er lauter, hob den Kopf und blickte die Alte an, „das .. das war doch damals, als ...“ er vergaß sich völlig und vollendete: „als du in der Scheuer dein Kind bekamst und ich dir die Windeln von meinem Linnen gab?“ Die Alte starrte ihn mit weiten Augen und halboffenem, zahnlosen Mund an, ihre alten, kralligen Hände hatten angefangen zu zittern. Für's erste brachte sie kein Wort über die Lippen, aber es war ganz deutlich: sie hatte ihn erkannt.
Der kleine König hastete davon, ein einziges Mal noch wandte er sich um. … die Gasse hinauf, über Straßen und Plätze und überall – wie er spürte – zu spät, zu spät.
„Den König … Wohin? Wohin?“ fragte er schließlich den Nächstbesten. Der wies ihn eine Richtung an und diese stapfte der kleine König davon. Und je länger er wieder stadtauswärts ging, wie es ihm schien, desto deutlicher merkte er, dass er auf der Spur des richtigen Geschehens war, auf der Spur dessen, den er gesucht hatte und immer weitersuchte. Er war auf der Spur und alles was jetzt nötig war, war Eile. Einmal sah er weinende Frauen. Einmal grau verstörte Männer, aber er hielt sich nicht auf. Der König! Heilige Schriften und Propheten! Der Stern – dem er selbst vor dreißig Jahren nachgezogen war … wie war das möglich? Wie? War das? Möglich? Nein, zu begreifen gab es nichts mehr. Denn als die Häuser zurückgewichen waren und freies Feld sich auftat, sanft ansteigen zu einem Hügel und je weiter, desto mehr von Menschen geleert, die alle auf der untersten Straße stehengeblieben waren und von dort aus gafften, da war dem vierten König nur gewiss, dass er hier zu Füßen des Schindangers der großen Stadt stand und das oben, dort oben, und nirgends sonst auf der Welt … sein König war.
„Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten!“ Christus ist das Licht der Welt. In seinem Licht schauen wir das Licht (Ps 36,9), auch wenn wir manchmal denken, die Schatten ziehen so gar nicht vorüber... Schön, dass Sie und ihr heute in den „Tempel“, in die Reglerkirche, gekommen seid, um dem nahe zu sein, der unsere Schatten verklärt.
Am 40. Tag nach Weihnachten, also am heutigen Tag, brachten nach den Lukasevangelium Josef und Maria ihr Baby Jesus in den Tempel. Nach jüdischem Brauch wurde das Kind dem HERRN dargestellt. Jesus wurde beschnitten. Maria, seine Mutter, brachte das Reinigungsopfer dar. ER, den wir das „Licht der Welt“ nennen, steht fest in der jüdischen Religion. Ohne diesen jüdischen Hintergrund ist Jesus Christus nicht vorstellbar.
Wir hören heute von Simeon und Hannah, die im Jerusalemer Tempel gewartet haben. Ein langes, lebenslanges, oft wohl dunkles Warten... Jetzt erfährt es Erfüllung. Jetzt wird es hell um diese beiden Alten. Ihr Lebenssinn erfüllt sich in diesem Kind
Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht;
über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.
Du mehrtest die Nation, schenktest ihr große Freude.
Man freute sich vor deinem Angesicht, wie man sich freut bei der Ernte,
wie man jubelt, wenn Beute verteilt wird.
Denn sein drückendes Joch und den Stab auf seiner Schulter,
den Stock seines Antreibers zerbrachst du wie am Tag von Midian.
Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft,
jeder Mantel, im Blut gewälzt, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers.
Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt.
Die Herrschaft wurde auf seine Schulter gelegt.
Man rief seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber,
Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.
Die große Herrschaft und der Frieden sind ohne Ende
auf dem Thron Davids und in seinem Königreich,
es zu festigen und zu stützen durch Recht und Gerechtigkeit, von jetzt an bis in Ewigkeit.
Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird das vollbringen.
Wir segnen nun die Kerzen, die im Laufe des Jahres am Altar oder zu Hause brennen werden, als Zeichen des göttlichen Lichtes, das für uns scheint. Wir verbrennen die Kerzen, um Gott zu ehren, um uns Seiner Gegenwart mitten unter uns bewusst zu werden, um sein Licht für unser Leben zu erbitten und für alle, die wir betend vor ihn bringen. Wir wissen ja: Bei Gott geht nichts von dem verloren, was wir vor ihn tragen.
Lasset uns beten:
Gott, du Quelle und Ursprung allen Lichtes,
du hast am heutigen Tag dem alten Simeon
Christus geoffenbart als Licht der Welt,
das die Menschen aller Völker erleuchtet.
Segne + diese Kerzen, die wir zu deinem Lob entzünden.
Führe und leite uns hier auf Erden
auf dem Weg des Glaubens und der Liebe.
Und lass uns einst zum
ewigen Licht deiner Herrlichkeit gelangen,
das niemals erlöschen wird.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn hinauf nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen, wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn (2. Mose 13,2; 13,15): »Alles Männliche, das zuerst den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt heißen«, und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben« (3. Mose 12,6-8).
Und siehe, ein Mensch war in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig und wartete auf den Trost Israels, und der Heilige Geist war auf ihm. Und ihm war vom Heiligen Geist geweissagt worden, er sollte den Tod nicht sehen, er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen. Und er kam vom Geist geführt in den Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch ist nach dem Gesetz, da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach:
Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen, das Heil, das du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zum Preis deines Volkes Israel.
Und sein Vater und seine Mutter wunderten sich über das, was von ihm gesagt wurde. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, seiner Mutter: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass viele in Israel fallen und viele aufstehen, und ist bestimmt zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen –, damit aus vielen Herzen die Gedanken offenbar werden.
Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter Phanuëls, aus dem Stamm Asser. Sie war hochbetagt. Nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt und war nun eine Witwe von vierundachtzig Jahren; die wich nicht vom Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht. Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Und als sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth. Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller Weisheit, und Gottes Gnade lag auf ihm.
Klangschale – 7 Minuten Stille – Klangschale
Wenn unsere Tage verdunkelt sind
und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte,
so stehen wir dennoch aufrecht und wanken nicht;
denn du bist unser Gott.
Dein Licht verklärt unsre Schatten!
Du HERR, ermutigst uns zum Leben.
In deiner Liebe sind wir geborgen.
Dein guter Geist schenke uns den langen Atem.
So wagen wir es, uns den eigenen Schatten zu stellen.
HERR, tröste alle, die leiden müssen.
Wische ihre Tränen ab wie eine liebevolle Mutter.
Halte sie und uns alle in deiner Hand.
Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten.
Lass nicht zu, dass das Dunkel das letzte Wort hat.
Erleuchte das Dunkel um uns mit deinem Licht.
Wir sind doch alle Kinder des einen Vaters!
So bitten wir dich und so loben und preisen wir dich,
den gütigen Vater, durch Jesus Christus,
das Licht der Welt, das alle erleuchtet
und mit Heiligem Geist belebt: heute und bis hinein in deine Ewigkeit. Amen.
Segen sei mit dir,
der Segen strahlenden Lichtes,
Licht um dichher
und innen in deinem Herzen.
Sonnenschein leuchte dir
und erwärme dein Herz,
bis es zu glühen beginnt
wie ein großes Torffeuer,
und der Fremde tritt näher,
um sich daran zuwärmen.
Aus deinen Augen strahle
gesegnetes Licht
wie zwei Kerzen
in den Fenstern deines Hauses,
die den Wanderer locken,
Schutz zusuchen dort drinnen
vor der stürmischen Nacht.
Wen du auch triffst,
wenn du über die Straße gehst,
ein freundlicher Blick von dir
möge ihn treffen.
So segne euch der dreieinige Gott, der + Vater und + der Sohn und + der Heilige Geist. Amen.
Am 3. Februar begeht die katholische Kirche das Fest des heiligen Blasius, der zu den „Vierzehn Nothelfern“ gezählt wird: Der im Jahre 316 durch Enthauptung ums Leben gekommene Märtyrerbischof soll nach der Legende durch seinen Segen einem Knaben – in anderen Überlieferungen einem Mitgefangenen – geholfen haben, der an einer verschluckten Fischgräte zu ersticken drohte.
So spenden die Priester und Diakone den Gläubigen am Blasiustag oder auch schon nach den Messen am Fest „Darstellung des Herrn“ (2. Februar) über zwei gekreuzten brennenden Kerzen den "Blasiussegen".
Segnen, eine Segnungshandlung, hat damit zu tun, dass sich der gläubige Mensch von Gott her etwas zusprechen lässt; auf die Fürsprache der Heiligen erfährt er die bleibende Nähe Gottes.
Durch die Fürsprache des heiligen Bischofs und Märtyrers Blasius
befreie und bewahre Dich der HERR vor Halskrankheiten und allem Bösen.
Es segne und behüte dich der dreieinige Gott: der Vater + und der Sohn + und der Heilige Geist. Amen.
Unter dem Dach der Reglerkirche haben sich Engagierte zusammengefunden, um ökumenische Vorhaben zu begleiten und Verantwortung für Ökumene in unserer Kirche zu übernehmen. Lesen Sie hier die "Erklärung zur Entwicklung der Ökumene am Ort"