Jeder Gottesdienst beginnt mit dem Kreuzzeichen: Wir stellen uns in die Gegenwart des dreifaltigen Gottes. Gott ist für uns ein undurchdringbares Geheimnis. Zugleich ist Gott uns unfassbar nahe als Vater und Bruder, als Geist-Atem, der uns leben lässt.
Der heilige Augustinus sei, so erzählt die Legende, beim Schreiben seines Buches „De Trinitate“ oft in Gedanken versunken am Strand seiner nordafrikanischen Bischofsstadt Hippo Regius spazieren gegangen. Einmal sah er einen kleinen Jungen im Sand sitzen. Er hatte eine Kuhle gegraben, in die er eifrig Wasser aus dem Meer schöpfte. „Was machst du da?“, fragt ihn Augustinus. „Ich schöpfe das ganze Meer aus!“ – „Das wirst du nie schaffen!“ – „Ebenso wenig wie du die Dreifaltigkeit Gottes jemals begreifen wirst!“, antwortet der kleine Junge.
Und doch wird Augustinus ein Leben lang nicht müde, Gott zu suchen und sich an IHM zu freuen. Immer wieder entdeckt er Gottes dreifache Dynamik im Spiegel der Schöpfung: Vater – Mutter – Kind; Gott – Mensch – Nächster; ich – du– wir; …
Augustinus hatte viel Freude an solchen Triaden, die für ihn deutlich machen: Glaube ist nicht schwer, sondern leicht. Er hat etwas Spielerisches! Der Dreifaltige verbirgt sich in allen Dingen. So unfassbar groß ER auch ist, so dreifaltig-einfach ist er verborgen.
Dieses Geheimnis feiern wir jetzt: unfassbar und doch so nahe ist uns Gott, wenn wir die Gegenwart Christi hier in unserer Mitte in seinem Wort und in Brot und Wein feiern.
Lassen wir uns von seiner unfassbaren Gegenwart ergreifen!
Geheimnis
über uns
über allem, was oben ist
größer als der größte Mensch
die mächtigste Macht
Herr, erbarme dich.
Geheimnis
unteruns
unter allem, was unten ist
kleiner als der kleinste Mensch
die ohnmächtigste Ohnmacht
Christ, erbarme dich.
Geheimnis
nah' bei uns
nah' bei allem, was nahe ist
näher als der nächste Mensch
die wirklichste Wirklichkeit
Herr, erbarme dich
Mose sprach zum Volk; er sagte: 32 Forsche doch einmal in früheren Zeiten nach, die vor dir gewesen sind, seit dem Tag, als Gott den Menschen auf der Erde erschuf; forsche nach vom einen Ende des Himmels bis zum andern Ende: Hat sich je etwas so Großes ereignet wie dieses und hat man je solches gehört? 33 Hat je ein Volk mitten aus dem Feuer die donnernde Stimme eines Gottes reden gehört, wie du sie gehört hast, und ist am Leben geblieben? 34 Oder hat je ein Gott es ebenso versucht, zu einer Nation zu kommen und sie sich mitten aus einer anderen herauszuholen unter Prüfungen, unter Zeichen, Wundern und Krieg, mit starker Hand und hoch erhobenem Arm und unter großen Schrecken, wie alles, was der HERR, euer Gott, in Ägypten mit euch getan hat, vor deinen Augen?
35 Du bist es, der das hat sehen dürfen, damit du erkennst: Der HERR ist der Gott, kein anderer ist außer ihm. 36 Vom Himmel herab ließ er dich seine donnernde Stimme hören, um dich zu erziehen. Auf der Erde ließ er dich sein großes Feuer sehen und mitten aus dem Feuer hast du seine Worte gehört. 37 Weil er deine Väter lieb gewonnen hatte, hat er alle Nachkommen eines jeden von ihnen erwählt und dich dann in eigener Person durch seine große Kraft aus Ägypten geführt, 38 um bei deinem Angriff Völker auszurotten, die größer und mächtiger sind als du, um dich in ihr Land zu führen und es dir als Erbbesitz zu geben, wie es jetzt geschieht.
39 Heute sollst du erkennen und zuinnerst begreifen: Der HERR ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst. 40 Daher sollst du seine Gesetze und seine Gebote, auf die ich dich heute verpflichte, bewahren, damit es dir und später deinen Nachkommen gut geht und du lange lebst in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt für alle Zeit.
Die Lesung aus dem Buch Deuteronomium ist ein „Wort an der Schwelle“. Bevor Israel das Gelobte Land betritt, ergreift Mose, der das Volk Israel bis hierher geführt hatte, noch einmal das Wort. Es ist eine längere Ansprache, dem Anlass entsprechend. Mose hält damit quasi seine Abschiedsrede. Er selbst wird ja das Land gar nicht betreten. Seine Worte sind ein Vermächtnis.
Ach, werden die Exegeten nun vielleicht einwenden: So war das historisch kaum. Und die Worte, die wir heute gelesen haben, sie sind wohl erst Jahrhunderte später so gesetzt worden, wahrscheinlich erst im babylonischen Exil. Damals stand das Volk Israel wieder an der Schwelle: Wenn es eine neue Chance gäbe, im Gelobten Land noch einmal von vorne anzufangen, was wäre dann wichtig? Worauf sollte man dann besonders achten?
Auch wir stehen an der Schwelle. Ostern ist vorbei, das Pfingstfest letztes Wochenende wollte uns Mut machen, im Alltag auf den Beistand Gottes, auf seine Geistkraft zu vertrauen. Und nun feiern wir an diesem Sonntag Gott, den dreifaltig Einen, dessen göttliche Dynamik (von „dynamis“ = Kraft) alles durchwaltet...
Es ist die Situation von uns Menschen zu allen Zeiten und an allen Orten. Immer stehen wir ander Schwelle. Wir setzen den Fuß nach vorne – oder werden nach vorne gestoßen, ob wir wollen oder nicht – und immer bleibt die Zukunft ungewiss und daher ein Wagnis. Wir wissen nicht, wie alles werden soll, und müssen doch weiter: aufrecht oder kriechend, stolpernd oder leichtfüßig... – danach fragt niemand.
Mose steht an der Schwelle. Sein Rat beim Blick über den Jordan ist zeitlos: „Forsche doch einmal in früheren Zeiten nach, die vor dir gewesen sind, seit dem Tag, als Gott den Menschen auf der Erde erschuf; forsche nach vom einen Ende des Himmels bis zum andern Ende: Hat sich je etwas so Großes ereignet wie dieses und hat man je solches gehört?“(V. 32)
Rückblick ist angesagt. Aber nicht im Nachtrauern, was alles zu Ende ging und nun nicht mehr sein wird, liegt die Kunst des Lebens. Lebenskönnerschaft entsteht für einen Menschen, der glauben will, in der Reflexion, wie Gott mit uns auf dem Weg war, vom Uranfang bis heute; wie er meinen Uranfang begleitet hat und deinen, wie er uns zusammengeführt hat, ja erst zu dem gemacht hat, der ich bin; zu der, die du bist; zu denen, die wir geworden sind: Sein Volk, Herausgerufene – Kirche: Ekklesia, die Versammlung der Gerufenen.
In dieser Versammlung gilt es, das „Gottesgerücht“ (vgl. Paul Michael Zulehner) zu hegen. Es gilt, die Glut des Glaubens nicht zu ersticken unter Strukturen und äußerem Popanz, unter Streitigkeiten, Eifersucht und Rechthaberei, unter Profilierungswahn und Eitelkeiten. Wir stehen in der Tradition des Glaubens unserer Vorfahren und haben zugleich die Aufgabe, seine Glut für heute wieder zu entfachen: ein „Knäckerchen“ anzubrennen,wie man – so habe ich erfahren – in Thüringen sagt, damit man ein großes Feuer entzünden kann.
Noch glimmt die Glut unter der Asche! Es geht am Auftrag vorbei, einfach nur eine Modernisierung der Kirchen und Gemeinden zu fordern. Modern ist auch der Zeitgeist – der doch nichts weiter zu bieten hat, als was überall zu haben ist. Erneuerung muss sich am Evangelium orientieren. Die Botschaft vom Reich Gottes muss leuchten, doch nicht wie eine Leuchtreklame, die hell, aber tot ist. Das milde Licht des Feuers, der Geist – die Ruach, steckt an und greift um sich.
Beim Propheten Sacharja lesen wir vom „Gottesgerücht“, das anzieht und sich verbreitet: „So spricht der HERR Zebaoth: Zu der Zeit werden zehn Männer aus allen Sprachen der Heiden “einen” jüdischen Mann beim Zipfel seines Gewandes ergreifen und sagen: Wir wollen mit euch gehen, denn wir hören, dass Gott mit euch ist“ (Sach 8,23).
Wo Gottes Gegenwart spürbar wird, da kommen andere fast wie von selbst dazu. Sie werden von der Sehnsucht getrieben, die nur geweckt zu werden braucht. Leben wir so, dass die Gegenwart Gottes in unsrem eigenen Leben wahrnehmbar wird, dass andere es sehen können? Sind wir "Salz der Erde" und "Licht der Welt" (vgl. Mt 5,14–16), lebendiger Hinweis auf den dreifaltigen Gott?
Ist unser Glaube Beiwerk für ein paar schöne Familienfeste, für eine sonntägliche Struktur, ein wenig Sicherheit für alle Fälle? Oder leben wir aus dem Glauben an IHN, den Dreifaltigen? Weil wir erkannt und zuinnerst begriffen haben: Der HERR ist Gott [...], keiner sonst (vgl.V. 39) – mehr noch: weil GOTT uns zuinnerst ergriffen hat und formt. Daher ist Vorsicht geboten!
Im Rückblick ist zu sehen, dass Gott ganz und gar für seine Menschen da ist. Die Pro-Existenz, Sein Leben FÜR UNS, ist schon im Ersten Testament auf allen Seiten der Bibel erfahrbar. Im Vers 34 heißt es, dass Gott alles für sein Volk getan hat: Befreiung aus Ägypten und Durchzug durch Wüste und Meer. Die Einheitsübersetzung wählt an dieser Stelle statt dem Wörtchen „für“ die Präposition „mit (euch)“: Was Gott mit uns getan hat... Beides scheint mir absolut richtig zu sein und sich zu ergänzen. Gott ist ganz da für die Menschen. Und er macht etwas mit den Menschen: Sie werden durch sein Handeln erst zum Gottesvolk. Umgekehrt heißt das aber: Erst wenn wir Gott an uns wirken lassen, können wir zu seinem auserwählten Volk werden. Er soll uns prägen und verwandeln, zuinnerst ergreifen und formen!
Die Rückschau, zu der Mose die Seinen aufruft, kann uns stärken und Mut machen für die ungewisse Zukunft, die immer dunkel vor uns liegt. Christen sind konservativ: Sie bewahren die Heilige Erinnerung, aus der sie leben können. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“, ruft uns der Priester bei der Wandlung zu. Diese Erinnerung setzt gegenwärtig, was Gott für uns getan hat und immer noch tut. Gewandelt werden nicht nur Brot und Wein; auch wir Feiernden müssen uns wandeln lassen. „Das ist mein Leib“, sagt der Priester mit Blick auf die Gemeinde am Altar. Gott macht mit uns, dass wir sein auserwähltes Volk werden, lebendiger Leib seines Sohnes Jesus Christus.
In diesem Sinne sind Christen dann auch progressiv: Sie gehen als Gesandte vorwärts, hinaus aus dieser Feier und mutig in die ungewisse, dunkle Zukunft. Sie wissen, dass sie „Licht der Welt“ sind; dass sie „Salz“ sind, das Geschmack auf das Evangelium macht; sie tragen das „Gottesgerücht“ in die Welt hinein, bescheiden und in zerbrechlichen Gefäßen, aber angerührt und bewegt durch Gottes Kraft und Dynamis: zuinnerst ergriffen vom EINEN.
Darin deckt sich das Vermächtnis des Mose inhaltlich mit den letzten Worten Jesu im Matthäus-Evangelium und wird sogar noch übertroffen, wenn Jesus sagt: „Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt28,20). „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren (dreifaltigen) Gottes“ (Kol 1,15), hörbar und begreifbar für uns im Wort und Sakrament bis zum Ende unserer Tage: Weg, Wahrheit und Leben (vgl. Joh 14,6).
Lasst uns alle Tage an dieser Zuversicht festhalten! Amen.
Kath. Pfingst-Gottesdienst in der Reglerkirche St. Augustinus Erfurt
Predigt: Christoph Kuchinke
Musik: Sandra Lindner mit Monika Rohs-Dressel und Br Jeremias Kiesl OSA
Zelebrant: Br. Jeremias Kiesl OSA | Lektoren: Werner Anisch, P. Pius Wegscheid
Fotos: Steffi Krause, Br. Jeremias, www.unsplash.com
Augustinerkonvent St. Martin von Tours 22. Mai 2021 | 19.00 Uhr
Gestern Abend – heute show: eine Werbung für das Pfingstfest 2021!
"Morgen ist Pfingsten, was war das noch gleich für ein Fest? Hatte irgendwas mit dem Heiligen Geist zu tun. Hoffnung liegt in der Luft – Deutschland impft sich in die Freiheit, der beste Sommer aller Zeiten, Karl Lauterbach, der DJ der guten Laune. – Ja, wir brauchen gute Nachrichten, gute Laune..."
Immerhin: ein Wort zum Pfingstfest! In den Tageszeitungen fand ich dazu nichts ins Auge Fallendes...
Es ist gut, dass wir Feste haben: „Ohne Feste wäre diese Welt, wäre unser Leben kaum auszuhalten.“ Ein Satz von Kurt Marti, dem Schweizer Theologen und Pfarrer. „Das ist der tiefer Sinn von Festen, Hoffnung zu festigen, zu stärken auf eine menschlichere Welt.“
Feste zeigen, wie es einmal sein soll: dass es einmal anders zugehen könnte in unserer Welt – dass wir auf eine menschlichere Welt hoffen. Wir brauchen solche Feste als Gegenentwurf zu einer Welt wie die, in der wir gerade leben, in der so viele bedroht werden, beschimpft werden, krasser geht es kaum.
Es ist erschreckend und beschämend; wenn Menschen nicht mehr reden, sondern brüllen, bellen wie Hunde, wenn sie lügen, ohne rot zu werden, wenn sie Verträge brechen, wenn es mir nur nützt, wenn einer den anderen in Angst und Schrecken versetzt.
Heute ist Pfingsten, sozusagen der Gegenentwurf dazu: Wir feiern, dass es anders sein kann.
Pfingsten beendet nach 50 Tagen die Osterzeit – gleichzeitig will es sagen: Es ist nicht zu Ende. Der Geist Gottes ist nicht weg aus der Welt. Der Geist Gottes ist nicht in den Himmel, nach oben entschwunden. Gottes Geist ist von diesem Jesus in die Menschen übergegangen.
Gerade haben wir es gehört: Die nach-österlichen Jüngerinnen und Jünger bekommen auf großer Bühne die Gabe des Heiligen Geistes, vor der versammelten Menge des Festes der Juden in Jerusalem (Schawout, Wochenfest). Es sollte einen Zusammenhang – eine Kontinuität – geben, in Gottes Plan mit seinem Volk, der Kirche aus Juden und Heiden. Und das von Jerusalem über Judäa und Samarien, bis an die Enden der Erde. Das braucht Kraft, Dynamik, Geistkraft.
Das Evangelium, die Frohe Botschaft lässt sich nicht mehr mundtot machen und wird – durch die Kraft dieser Geistkraft überall verkündet.
Es gibt auch die andere Seite, die Jünger, die sich hinter verschlossenen Türen versammeln, aus Angst. Aber daraus entsteht nicht viel oder eher nichts unter den Männern. Nur gut, dass sie die Botschaft der Auferstehung und den Auftrag Jesu von Maria Magdalena hatten, der Apostolin, einer Frau.
Er ist da, dieser Geist, als Lebensfreude, als Inspiration, als Lebendigkeit, damals in und bei den Aposteln, heute, in mir, in dir und in allem, was lebt.
Das ist wie Revolution, wie Anarchie: Es wird gefeiert, was von niemandem verwaltet wird, was keine Organisation der Erde organisieren kann – auch keine Kirche, keine Religion… Und was doch alle berührt: Atem des Lebens, innerster Funke, Gottes Geist.
Man hat ihm ungewöhnliche Symbole gegeben:
Als Feuerflamme: auf den Köpfen der Menschen. „Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.“ Ein Zeichen, wie Gedankenblitze, Geistesklarheit.
Als Wind: „Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.“ Ein Zeichen von Bewegung, Veränderung, von Schwung.
Gott ist da, ganz wirklich und doch nicht zu greifen: wie das Licht unserer Augen, wie die Luft, die wir atmen.
Und, der Geist weht, wo er will.
In einem Vers von Kurt Marti über den Geist hat er gereimt:
„Der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde,/ vielmehr vergleicht die Schrift ihn mit dem Winde.“
Eine Linde, die kennen wir meist als großen, schön ausladenden Baum, Mittelpunkt auf den Dorfplätzen, wo alle zusammen kamen, wo die Feste stattfanden, wo Recht gesprochen wurde. EineZimmerlinde, eine Topfpflanze, eine verkümmerte Linde, eine kümmerliche Existenz.
Ein Geist, der verkümmert ist, da pulsiert es nicht so wie in einem massiven Baumstamm, da rauscht es nicht interessant oder fast bedrohlich. Da ist was eingesperrt, nur noch Dekoration auf der Fensterbank des Lebens, hin und wieder gegossen, bevor er ganz eingeht.
Aber der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde, kraftvoll ist er, ungezähmt, immer jung, immer neu und in Bewegung.
Wie die Pfingstrede des Petrus, des Fischers, im Trubel der Menschenmenge und alle konnten ihn verstehen, sogar die, die eine andere Sprachegesprochen haben: Vielfalt trennt die Menschen nicht und schon gar nicht in den entscheidenden Dingen des Lebens und der Welt.
Trotz aller Unterschiede, sind sie miteinander verbunden. Sie verstehen sich ohne Worte, aus dem Herzen heraus, weil sie alle Menschen sind. Ach, wenn das doch heute auch so wäre, wenn doch heute ein solches Pfingsten wäre!
Bsp: Beratung Syrer...
Und doch, dieses Pfingsten ist ein Fest der V i e l f a l t. Pfingsten ist die Neugier darauf, zu verstehen, was den anderen bewegt und beseelt, aber auch, was ihn verletzt und bedrückt. Miteinander reden, aufeinander hören, einander wahrnehmen.
Der Geist sperrt nicht ein, sondern lässt Raum, dem anderen, mir selbst, den Raum anders zu sein.
Pfingsten nimmt uns die Angst voreinander, aus der alle Gewalt kommt, alle Bosheit.
Pfingsten sagt, du sollst keine Zimmerlinde sein, sondern: „Wie ein Baum, einzeln, frei – wie ein Wald – geschwisterlich sollst du sein!"
Warum nur müssen sich immer wieder Menschen verstecken, damals in Jerusalem die Jünger aus Angst vor den Juden. Ein sicher auch späteren Christengemeinden bekanntes Lebensgefühl der Ausgrenzung, Verfolgung seitens ihrer Mitbürger. Später vertauschten sich die Rollen, wo oft genug Juden, aus Furcht vor den Christen, die Türen verschlossen halten mussten. Und heute sind es beide, Juden und auch in in unserem Land, die Angst haben und haben müssen und Christen , und andere Religionsgruppen weltweit.
Jesus stellt sich in die Mitte und spricht den Friedensgruß, er gibt sich zu erkennen und es ist der Auferstandene, der Lebendige. ER ist die Mitte, ER, der mit Heiligem Geist taufen wird, damals und heute.
Und nicht eine auf sich selbst bezogene Gruppe, eine politische Macht, keine moralische Instanz, es ist der Herr.
Und ihm gelingt es, sie in Gang zu bekommen, auch aufzustehen und etwas zu tun. Sein Werk weiterzuführen. Überall zu verkünden: Ich lebe, und auch Ihr werdet leben.
Pfingsten – kein Blick in die Vergangenheit, kein Blick zurück, weil mal alles besser war. War es das ? Und was heißt schon besser? Ein Blick voraus, ziemlich kühn und gewagt:
So soll es sein, wenn wir Gott Raum geben für einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt.
So soll es sein und erfahrbar soll es sein, jetzt schon, in unseren Gottesdiensten, in unserem Alltag, weltweit, in jeder und jedem von uns.
So wird es sein, das ist gelebte und erfahrene Hoffnung.
Am Ende des Gottesdienstes – und wenn es noch so schön, berührend angenehm hier war, wird Jeremias oder Pius uns damit nach draußen schicken: "Geht und verkündet das Evangelium, den Frieden dieses österlichen Jesus!"
Pfingsten – das soll es sein, das will es bewirken, unsere Hoffnung und unseren Einsatz für eine menschlichere Welt stärken. Jetzt.
Vielleicht hätte ich doch nur Oliver Welke lassen sollen...
Anfang des Jahres 1447 liegt Schwester Maria Rita im Augustinerinnenkloster von Cascia im Sterben. Der Winter hat sich aus dem Städtchen im Umbrischen Bergland noch nicht vertreiben lassen. Es ist kalt in der Welt. Nicht nur den Temperaturen nach. Rita lässt nach Bona schicken, mit der sie seit Kindertagen eine enge Freundschaft verbindet, die beide immer gepflegt haben.
Cascia war Mitte des 15. Jhd. Stadtrepublik. Wie vielerorts in Mittel- und Oberitalien standen dort Guelfen gegen Ghibellinen, die kaiserliche Partei gegen die päpstliche. Es wurden blutige Fehden ausgetragen, bei denen es – wie immer – um Geld, Macht und Einfluss ging. Eine gefährliche, kalte Zeit...
Auf dem Sterbelager wird Rita über ihr Leben resümiert haben. Sie dachte wohl auch an manches, das vor ihrer Erinnerung lag und ihr erzählt wurde: An ihre Eltern, diese klugen wie kreuzbraven Leute aus dem Dorf Roccaporena, das in einem schattigen Talschluss liegt. Ihnen, Antonio und Amata Lotti, hatte man das Amt der Friedensrichter anvertraut, und man muss annehmen, dass sie damals alle Hände voll zu tun hatten in der Republik Cascia.
Die Sehnsucht nach einem eigenen Kind blieb lange unerfüllt. Jahre langen Hoffens und Betens vergehen, bis den Lottis endlich ein kleines Mädchen geschenkt wurde: Zärtlich nennen sie es „Margarita“, „Perle“, strahlend schön wie die Margariten-Blume. Unter der Kurzform ihres Namens ist uns das Kind von damals bis heute bekannt. Die Fürsprache soll den Himmel endlich zur Einsicht gebracht haben; diese Drei blieben für Rita die wichtigsten Patrone auf dem Lebensweg.
Von ihren Eltern lernt Rita, was dem Frieden dient, denn das Amt des Friedensrichters forderte oft denEinsatz der ganzen Familie. Diese Friedenssehnsucht wurzelt in Rita sehr tief. Sie pflegte sie weiter auch in ihrer eigenen Familie.
Als ihr Ehemann Paolo di Ferdinando di Mancino einem Mordkomplott zum Opfer fällt, hat sie möglicherweise die Identität der Mörder vom Sterbenden erfahren – oder sie sogar selber noch gesehen. Doch sie gibt die Namen nicht preis, weil sie weiß, dass in ihren Tagen Rache und Vergeltung das Regiment führen, viel zu selten Verzeihung und Versöhnung. Zum Schmerz über den Tod ihres geliebten Ehemannes kommt die Sorge, ihre beiden (fast erwachsenen) Söhne könnten sich zur Blutfehde verführen lassen – ja, schlimmstenfalls selbst zu Mördern werden.
Aber noch einmal kommt alles ganz anders. Als wäre nicht schon genug Leid geschehen, verliert Rita das Haus, das sie mit ihren Liebsten bewohnt hatte, an die Familie ihres ermordeten Mannes. Sie muss also ausweichen in das kleine Häuschen, das sie von ihren längst verstorbenen Eltern ererbt hatte. Kurz danach rafft wahrscheinlich die Pest ihre beiden Söhne dahin. Man mag sich den Schmerz Ritas kaum vorstellen...
Als die Witwe Rita Mancini um Aufnahme im Kloster der Augustinerinnen von Cascia bittet, ist man dort alles andere als erfreut. Die Schwestern haben Sorge, dass mit Rita auch die Blutfehde ins Kloster kommt. Nein, die Bedingungen der Äbtissin für ihre Aufnahme sind nicht zu erfüllen! Aber Rita vertraut auf die Hilfe ihrer heiligen Patrone Johannes, Augustinus und Nikolaus. Sie geht mutig ans Werk.
Tatsächlich kann sie den großen Friedensschluss zwischen Cascias verfeindeten Familien vermitteln. Das große Fresko, das von diesem Frieden in San Francesco kündete, wurde längst abgeschlagen und durch ein anderes Bild ersetzt. Aber in der Ecke links unten sieht man bis heute gut erhalten das Portrait der Witwe Rita Mancini. Nein, Rita war weit mehr als bloß eine Randfigur!
So konnten die Augustinerinnen 1407 ohne Furcht Rita in ihre Reihen aufnehmen. Sie selbst aber hat es ihren Patronen Nikolaus von Tolentino, Johannes des Täufers und Augustinus zugeschrieben, dass ihr die Klosterpforten geöffnet wurden.
Dass Rita ihren Halt im Glauben fand, ist bekannt. Bemerkenswert bleibt aber, dass sie in all dem bitteren Leid, das ihr widerfahren ist, alles andere als ein bitterer Mensch wurde. Anders als viele Menschen ihrer Zeit, die Gott strafenden Tyrannen sahen, der jederzeit dreinschlagen konnte.
Rita ist anders geprägt. Ihre spirituelle Heimat ist die „Gute-Jesus-Bewegung“, die unter anderem von ihrem Landsmann, dem Augustinerheiligen Simon Fidati von Cascia schon etwa drei Generationen früher geprägt wurde. „Der arme, demütige Jesus“, der uns die Freundschaft mit Gott anbietet, prägte diese Spiritualität.
Mit seinem Ordensvater Augustinus hatte Simon von Cascia gesagt: Meine Liebe ist meine Schwerkraft; ich werde durch sie getragen, wohin ich immer getragen werde. (conf. 13.10)
Mich von Gott getragen wissen, das hatte Simon Fidati entdeckt. Das spürte auch Rita. Sie fand zu einem Glauben, wo es nicht wichtig war, das eine oder andere für wahr zuhalten; ihr Glaube gewann Konturen, weil sie erfuhr, dass Gott, der die Liebe ist, ihre Schwerkraft wurde; sie spürte die Hand, die sie hielt.
In Ritas Klosterzelle sei das Bild des Christus am Karsamstag zu sehen gewesen, so eine alte Quelle. Der tote HERR steht im Grab. Noch zeichnen ihn Kreuzigung und Tod. Aber er hat sich schon erhoben, um die Auferstehung für uns zu erringen. Jesus weicht dem Leid nicht aus, sondern teilt es mit uns. Der Menschen- und Gottessohn, bleibt solidarisch bei uns. Rita findet in IHM ihren Freund, der durch Leiden und Tod zur Auferstehung führt, zum ewigen Leben. – Am ersten Sarkophag, in den man die tote Rita legt, ist dieser Christus des Karsamstags ebenfalls zu sehen.
Daraus kommt auch ihre Bereitschaft, Leiden anzunehmen. Wir beten ja häufig darum, dass Christus das Leid von uns nehmen möge. Rita kann ihr Leiden annehmen, weil sie erfährt, dass der HERR bei den Seinen bleibt, dass er uns nie verlässt. Immer wieder kniet sie vor dem Kruzifix im Kloster von Cascia. Hier gibt Jesus ihr Anteil an seiner Dornenkrone durch die Stirnwunde. Rita lebt ganz verbunden mit dem leidenden Christus am Kreuz – und durch ihn mit allen Menschen ihrer Stadt. Die Schwestern kümmerten sich damals um die Armen und Bedrängten Cascias. Strenge Klausur verordnete man ihnen erst infolge des Trienter Konzils...
Solidarität und Freundschaft prägen das gesamte Leben Ritas. Ihre Freundin Bona kommt zu der Sterbenden. Auch das ist sehr bemerkenswert. In manchen Phasen unserer Ordensgeschichte waren „Partikularfreundschaften“ verpönt, ja verdächtig. Was völlig gegen unseren Ordensvater Augustinus steht. Der war geprägt vom antiken, in der Christusnachfolge geläuterten Freundschaftsideal. Wer sich auf andere einlässt, wer Leben mit anderen Menschen teilt, der kann in ihnen die Stimme Gottes und seine Zärtlichkeit erfahren. Er (oder sie) merkt aber auch, wie sehr er auf dem Weg Gottes ist – oder sich das nur einbildet. Erst in der Gemeinschaft mit anderen wird unsere Spiritualität geerdet und reift. Denken kann man viel. Ob es stimmt, was wir uns zurechtlegen, das muss sich im Alltag erweisen und in der Auseinandersetzung mit anderen, die mir hoffentlich freundschaftlich begegnen.
Augustinus wirbt für ein Leben in Gemeinschaft, in der man sich ganz und möglichst freundschaftlich aufeinander einlässt. „Stellt das Gemeinsame über das Eigene“, sagt Augustinus in der Klosterregel.
Ich halte das für ein hochaktuelles Thema. Mithilfe der sozialen Netzwerke kann man heute ja viele „Freunde“ sammeln. Aber ob die wirklich diesen Namen verdienen? Freundschaft ist deutlich mehr als nur ein Kontakt. Freundschaft ist in gewisser Weise zweckfrei: Ich gebe mich ganz hinein in die Freundschaft, die von Geben und Nehmen geprägt ist, aber nicht deswegen zustande kommt. Ich schließe mit einem Menschen Freundschaft nicht, weil sie mir nützt. Aber ich könnte ihren Nutzen doch nie bezahlen.
Als Bona ein Weilchen bei ihrer alten Freundin aus Kindertagen gesessen ist, bittet die Sterbende: „Bona, geh doch bitte in meinen Garten nach Roccaporena und hole mir von dort eine Rose!“
Würde es sich hier um zwei Frauen handeln, die halt irgendwie in Kontakt miteinander gekommen sind, müsste Bona nun darauf hinweisen, dass das Jahr zu jung sei und der Winter noch im Tal sitze. Aber die beiden sind Freundinnen. Also murmelt Bona, sie wolle mal sehen, was sich machen lässt.
Wenn wir Freundschaft wagen, wird das Unmögliche möglich. Noch am gleichen Tag kommt Bona mit einer blühenden Rose ins Kloster geeilt und gibt sie der sterbenden Rita – die selber war wie die blühende Rose im kalten Winter; die aus der Liebe des leidenden und auferstandenen HERRN gelebt hat und dadurch ihr eigenes Leiden tragen lernte: als Tochter, Ehefrau, Mutter, Witwe und Klosterfrau; die den mit uns Menschen solidarischen Gott verkündete, indem sie selber nicht davon lief und vielmehr solidarisch lebte mit den Notleidenden; die ihre Freundschaft mit Bona bis zur Bahre treu pflegte, weil wir Menschen mehr brauchen als ein paar nützliche Kontakte.
Wo wir dem HERRN folgen wie die hl. Rita, da wird auch für uns manche Rose duften. Und wer weiß: Vielleicht ist für manchen auch die Freundschaft mit dir wie eine herrlich duftende Rose.
Amen.
+ Jesus Christus, der der auferstandene und erhöhte HERR, sei mit euch!
In der Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten beten wir um das Kommen des Heiligen Geistes. Mit diesem Heiligen Geist verbinden wir kühne Träume: Wir bitten darum, dass er das Antlitz der Erde erneuern möge. Aber Vorsicht: Gottes Geist fängt damit an der wichtigsten Stelle an: beim Menschen, bei uns selbst! Das ist uns verheißen. – Wollen wir das?
Der Heilige Geist kommt auf Menschen herab. In uns möge er bewirken, was heute dem Leben dient. Er selbst rühre unsere Hände, damit wir als Seine Mitarbeiter des Angesicht der Erde in unserer Zeit erneuern.
Oft aber geben wir uns als Besserwisser: Als wüssten wir besser als Gott, was diese Erde braucht, was unsere Kirchen brauchen und Gemeinden brauchen. Fürchten wir insgeheim, dass Gottes Geist neue Wege führen könnte, die unseren Vorstellungen so gar nicht entsprechen?
Sperren wir den Geist nicht ein! Töten wir Gottes Geist nicht in uns. Vertrauen wir uns IHM an. Er wird uns führen und leiten durch das Wort des Lebens! Geben wir dem Geist des HERRN bei uns selbst eine Chance.
„Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“ (Joh17, 6a). So beginnt der Abschnitt, den wir heute als Evangelium gehört haben. Wir werden hineingenommen in das Gebet Jesu. Das ist höchst selten. Zwar sagen die Evangelisten übereinstimmend, dass Jesus viel gebetet hat. Aber über den Inhalt seines Gebetes erfahren wir relativ wenig.
Die große Ausnahme ist das lange Gebet in Joh 14-17. Seit dem 16. Jahrhundert hat sich dafür der Begriff „Hohepriesterliches Gebet“ ausgeprägt. Jesus deutet seinen Opfertod an, wenn er sagt, dass er sich „heiligt“ für die Seinen, „damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind“(Joh 17,19). Aber das scheint nicht der Schwerpunkt seines Gebetes zu sein.
„Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“. Das ist die knappste Zusammenfassung der Sendung Jesu. Vielleicht klingt das in unseren Ohren erst mal banal, denn Goethes Wort im Ohr, der „Name ist nur Schall und Rauch“ (vgl. Faust I,V. 3457) unterschätzen wir leicht, worum es biblisch tatsächlich geht.
Denn für die Heilige Schrift gilt genau das Gegenteil. Der Name bezeichnet das tiefste Wesen. Die jüdische Glaubensgeschichte beginnt denn auch mit der Offenbarung des Namens Gottes am brennenden Dornbusch. Gott stellt sich selbst vor als der, der „da ist und immer da sein wird“ (vgl Ex3,14).
Wer also den Namen kennt, weiß um das Wesen Gottes. Jesu Verkündigung hat in unübertroffener und nicht zu übertreffender Weise Gottes Namen in diese Welt gestellt: IHN uns offenbart. Das geschah nicht wortreich; denn er selbst ist das Wort, das Mensch geworden ist. An Jesus Christus und in der Beziehung mit ihm entscheidet sich, ob Gottes Offenbarung bei uns ankommt. Denn „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15).
Jesu Wirken für die Menschen, seine völlige Pro-Existenz, sein Leben für uns, seine Passion für die Menschen sind Gottes Offenbarung. Doch hat Jesu nicht nur gehandelt. Er hat gelitten und sich für Gott verausgabt bis zum Tod am Kreuz: In seiner völligen Passivität im Leiden, das er angenommen hat mit den Worten „Vater, […] nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“ (Lk 22,42). Sein Kreuz wurde zum Magna Charta der Gottesoffenbarung, ausgefertigt mit seinem Blut (vgl 2 Kor 3,3). Das letzte aber ist – Gott sei Dank – nicht der Tod Jesu, sondern sein Sieg: Gott hat ihn auferweckt von den Toten. – Das alles klingt an in Jesu Wort: „Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“
Wie in den meisten Gebeten, die wir an Gott richten, spricht auch Jesus Bitten aus: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir!“ (Joh 17, 11b) „Damit sie eins sind“, das ist offenbar DIE Bitte Jesu. Das Zeugnis seiner Jünger in der Welt wird verdunkelt wegen der Zerstrittenheit, die wir bis heute aufrechterhalten; wegen der Risse, an denen wir oft tatsächlich auch persönliche Schuld tragen.
Mit der Enzyklika „Utunum sint“ wollte Papst Johannes Paul II im Mai 1995 die Ökumene an der Schwelle zum 3. Jahrtausend vorantreiben. Er forderte u.a. dazu auf, über die Rolle des Petrusamtes als Dienst an der Einheit zu diskutieren. – Der fünfte der „12 Leitsätze zur Zukunft einer aufgeschlossenen Kirche“1, welche die 12. Synode der EKD Anfang November 2020 verabschiedet hat, bekennt sich zur Stärkung der Ökumene und zur gegenseitigenStellvertretung kirchlicher Arbeit vor Ort. – Und auch der dritte Ökumenische Kirchentag jetzt in Frankfurt (oder mehr noch digital) setzt Zeichen der Hoffnung, dass am Ziel der Einheit festgehalten wird.
Wir können es uns nicht aussuchen, ob wir Ökumene wollen oder nicht. Sie ist und bleibt der beständige Auftrag Jesu Christi. Wenn wir in seinen Spuren unterwegs sein wollen, können wir nicht nach Gusto weglassen, was uns gerade – aus welchen Gründen auch immer – nicht in den Kram passt. ER, Christus, ist die Mitte. Ihm hat all unser Tun und Trachten zu dienen.
Aber auch das muss gesagt werden: Längst ist nicht wirklich Ökumene drin, wo sie groß draufsteht. Ökumene ist gemeinsames Hören auf Christus. Er ist die Mitte. An ihm gilt es immer wieder Maß zu nehmen. Ökumene ist damit nichts, was man verordnen oder planen kann, was in Gremien entschieden oder verhindert wird. Der Geist Gottes lässt sich nicht einsperren. Er bricht sich Bahn, wo Menschen sich um Christus versammeln und sich von seinem Geist führen lassen, Laien wie Amtsträger. Christus muss bestimmen, nicht wir! IHM allein gebührt Ehre und Macht! Lieber möchte ich das Wort Ökumene weglassen und auf Christus hören. Er soll mich und uns, alles, was unser Leben als Gemeinde ausmacht, prägen.
Es wird kaum möglich sein, genau zu definieren, wer auf Christus hört und wer nicht. Aber es gibt einige Kriterien, die Christus selbst nennt: „...damit sie meine Freude in Fülle in sich haben“ (V. 13c), sagt Jesus. Wo Gott ist, da ist Freude. Wer nur im Streit verharrt, der kann die Freude des Glaubens nicht leben. Es macht aber Freude, sich um Christus zu versammeln und ihn als Mitte zu wissen. Wo Gott ist, da ist Freude.
Ferner – und nun klingt ein Gegensatz an: „Die Welt hat sie (die Jünger) gehasst, weil sie nicht von der Welt sind“ (V. 14 und 16). Christen sind in dieser Welt und sie mischen sich ein. Doch niemals dürfen sie „von dieser Welt“ sein! Christen haben „Sauerteig“ zu sein, der die Welt, in der sie leben, veredelt. Nicht umgekehrt! Den „Sauerteig der Pharisäer“ (Mt 16,6.11 || Mk8,15 || Lk 12,1) gibt es freilich auch... Christen dürfen nicht tun, was alle tun! Bürgerlich angeglichenes Christentum ist Etikettenschwindel!
Weiter: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ (Mt 7,6). Es geht letzten Endes nicht darum, wer argumentativ obenauf ist, wer das Sagen hat, wessen Kirchenbild sich durchsetzt. Am Ende wird an den Früchten sichtbar, wo Christi Geist wirkt.
Lassen wir uns von Gottes Geist leiten! In den Tagen vor dem Pfingstfest beten wir besonders um die Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit, und Gottesfurcht. Möge der HERR selbst uns eine Neugeburt seiner Kirche schenken: Als Gemeinschaft derer, die um ihn versammelt sind, die auf ihn hören und in seinem Geist das Antlitz der Erde mitgestalten. Amen.
1https://www.ekd.de/zwoelf-leitsaetze-zur-zukunft-einer-aufgeschlossenen-kirche-60102.htm
Schön zu leben, sage ich,
obwohl vieles dagegen spricht
Ich weiß...,
und wer wüsste nicht..
Schön zu leben, sage ich heute,
obwohl ich gestern anderer Meinung war,
und morgen.
Was soll’s
Schön zu leben,
auf unserem blauen Planeten,
in dieser Gegend,
zu dieser Zeit,
mit diesem umgrenzten Ich.
Schön zu leben
und den unvollkommenen Menschen zu lieben,
dessen Geheimnis zu beweisen ich mich schäme.
Schön zu leben,
weil es Dich gibt,
Nazarener,
und dein Manifest
der Hoffnung, an das ich glaube.