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August

2022

Fest der hl. Mutter Monika

Bruder Jeremias OSA

Gemälde von Heinz Schiestl, Augustinerkloster Würzburg
Das Fest der hl. Monika in der Brunnenkirche 2022

+ Jesus Christus, der gekreuzigte Auferstandene, der Tröster der hl. Mutter Monika, sei mit euch!

Letzten Donnerstag haben wir im Augustinus-Lesekreis im 6. Buch der Confessiones folgende Sätze Augustins gelesen: „Ich seufz­te in Nöten, und Du (Gott) hörtest mich; ich war ein Spiel der Wellen, und Du saßest am Steuer; ich ging die breite Stra­ße der Welt, und du verließest mich nicht.“

Dabei bedient sich Gott meist Menschen, die er uns an die Seite stellt. Bei Monika, der Mutter Augustins, scheint das besonders zuzutreffen. Sie hat Augustinus nicht nur gebo­ren, sondern ihn auch in den Zeiten begleitet, in de­nen er gebochen hatte mit dem Glauben seiner Mutter – in denen er unterwegs war auf der „breiten Straße der Welt“. Da hat sie ihn nicht verlassen.

Ihr Fest feiern wir heute. Möglicherweise regt sich dabei in uns eine Dankbarkeit: Vielleicht für die eigene Mutter, die meine We­ge begleitet hat mit ihrer bedingungslosen Liebe. Viel­leicht für andere Menschen, die manche Volte mit mir durch­gestanden haben und auf die ich mich dennoch verlas­sen konnte. Zu vie­le Menschen werden das vielleicht nicht sein; umso wertvoller, wenn es sie gibt. Vielleicht auch einfach, dass wir Gott immer wieder spüren konnten, der uns niemals fallen lässt.

Wir leben aus Gottes Erbarmen. Wir leben davon, dass er das Steuer unseres Lebens in Händen hält und uns begleitet. Wir leben von Seiner Vergebung, die wir auch jetzt wieder neu erbitten.

Predigt

Monika, die Mutter des heiligen Augustinus, ist Vorbild und Schutzpatronin der christlichen Mütter. Was wir von ihr wissen, das wissen wir durch ihren Sohn, der in seinen autobiographi­schen „Bekenntnissen (confessio­nes)“, einem der meistgelese­nen Meisterwerke aller Zeiten, über sie erzählt. Augustinus sagt, er habe den Namen Jesu mit der Muttermilch aufgesogen und sei von Monika in der christlichen Religion erzogen wor­den. Auch in den Jahren seiner geistlichen und morali­schen Wirren war so ein Grund in ihm gelegt worden, der ihn prägte und von dem er letzten Endes nie abwich.

Erst letzten Donnerstag haben wir im Augustinus-Lesekreis die Reflexion Augustins gelesen, wo er schreibt, dass selbst in der Dialektik der Probleme, die er mittels verschiedener Philosophen gewälzt habe, „das eine nie gelungen war, mir den Glauben zu entwinden, dass Du bist – mochte ich auch nicht wissen, was Du bist –, noch den Glauben, dass die Führung der menschlichen Dinge bei Dir steht“(conf VI,5,8). So tief war also die Offenbarung Gottes durch den Glauben Monikas in ihren Sohn Augustinus gedrungen, dass dieses Fundament für ihn nie in Frage stand.

Und Monika? Sie hörte nie auf, für ihn und seine Bekehrung zu beten. In meinen jungen Jahren wurde das schon gerne mal belächelt: eine Mutter, die wie eine Betschwester ihre Umwelt und wahrscheinlich auch Gott nervte mit ihrem Gejammere... Heute denke ich darüber anders. Es tut mir mehr als gut, wenn ich weiß: Es wird für mich gebetet. Meine Mutter tut das sowie­so, aber auch viele andere Frauen und Männer, die mich durch ihr Gebet tragen. Ja, ich weiß mich durch sie getragen.

Monika wurde tatsächlich der Trost zuteil, dass sie erleben durf­te, wie Augustinus zum Glauben zurückfand und die Taufe empfing. Gott erhörte die Gebete dieser heiligen Mutter. Jahre vorher hatte Bischof Ambrosius von Mailand zu ihr gesagt: „Ein Sohn so vieler Tränen kann nicht verlorengehen!“ Dass sie dieses Wort ernst nahm und sich daran festhielt, ist für mich zumindest großartig.

Tatsächlich bekehrte sich Augustinus nicht nur. Er wollte nun auch in einem Kloster leben – allerdings nicht in der Einsamkeit, sondern in einer lebendigen Gemeinschaft. Nach seiner Rückkehr nach Afrika gründete er in seinem Elternhaus, das er geerbt hatte, seine erste klösterliche Gemeinschaft.

Bewegend ist die Erzählung von einem letzten, tiefen geistlichen Gespräch zwischen ihm und seiner Mutter Monika in der Stille eines Hauses in Ostia. Dort, in der Hafenstadt Roms, warteten sie darauf, mit dem Schiff nach Afrika, zurück in die Heimat also,  aufzubrechen. Augustinus schreibt an dieser Stelle der Confessio­nes, seine Mutter sei ihm damals schon „mehr als eine Mutter“geworden. Sie habe ihn „zweimal zur Welt gebracht“. Mehr und mehr sah er in ihr „die Quelle seines Christentums“. Monika war letztlich um ihn besorgt, wie die Mutter Kirche selbst, die sich um das Heil ihrer Kinder sorgt und müht.

Jahrelang war Monikas größter Wunsch die Bekehrung ihres Sohnes. Nach seiner Taufe in Mailand und während der Wartezeit in Ostia, wusste sie, dass Augustinus für das geistliche Leben Feuer gefangen hatte. Er wollte Gott suchen, und IHN immer weiter suchen. So konnte Monika zufrieden sterben.

Augustinus schreibt dazu in den Bekenntnissen:

Du aber weißt, Herr, dass meine Mutter an jenem Ta­ge, als wir so miteinander redeten und die Welt mit allen ihren Freuden jeglichen Reiz für uns verlor, das Wort ergriff und sagte: Mein Sohn, was mich anlangt, so freut mich jetzt nichts mehr in diesem Erdenleben. Was ich hier noch tun und wozu ich hier noch bleiben soll, ich weiß es nicht, denn weltliche Hoffnungen gibt's für mich nun nicht mehr. Das einzige, weswe­gen ich noch eine Weile zu leben gewünscht, war: Ich wollte vor meinem Tode dich gern noch als katholi­schen Christen sehen. Das hat mir Gott überreichlich gewährt, denn nun sehe ich, du bist sein Knecht und hast auch allem Erdenglück entsagt. Was denn soll ich hier noch?
Bald darauf, es mochten fünf Tage oder wenig mehr verstrichen sein, erkrankte sie am Fieber. Als sie nun krank lag, erlitt sie eines Tages einen Ohnmachts­an­fall und verlor für kurze Zeit das Bewusstsein. Wir eilten herbei, aber bald kam sie wieder zu sich, sah mich und meinen Bruder dastehen und richtete an uns die verwunderte Frage: Wo war ich denn? … Begrabt meinen Leib, wo es auch sei, und macht euch keine Gedanken darum. Nur um eins bitte ich euch, gedenkt meiner, wo immer ihr euch aufhalten mögt, am Altar des Herrn. …
So ward denn am neunten Tage ihrer Krankheit, im sechsundfünfzigsten Jahre ihres Lebens und meinem dreiunddreißigsten, diese fromme und gläubige Seele von den Banden des Leibes erlöst. Ich drückte ihr die Augen zu, und unsägliche Trauer brach über mein Herz herein.

(Augustinus:Bekenntnisse, übertr. v. W. Thimme. Reclam 1977, 250-255)

Die Geschichte des Christentums ist voll von zahllosen Beispielen heiliger Eltern und echter christlicher Familien. Monika war eine wahre Kämpferin. Sie hielt fest am Vertrauen, dass Gott die We­ge ihres Sohnes führen werde. Und auch Augustinus selbst sagt, Gott habe ihn hinter seinem eigenen Rücken hervor­gezogen, damit er sich seiner eigenen Hässlichkeit – oder sagen wir seiner Erlösungsbedürftigkeit – stelle.

"Du aber, Herr, Du holtest mich während seines Redens zu mir selbst herum, Du holtest mich hinter meinem eigenen Rücken hervor wo ich mich versteckt hatte, um mich nicht selbst anschaun zu müssen. Jetzt zeigtest du mir mein Gesicht, damit ich sähe, wie hässlich ich sei, wie verkrüppelt und schmutzig, voll Sudel und Geschwür." (Conf. VIII, 7, 16).

Wo jemand anfängt, sich bewusst zu werden, dass er bedürftig ist, dasser Gott braucht, um derjenige oder diejenige zu werden, der er wirklich ist, da kann Gottes Liebe ihn erreichen. „Gott ist uns inniger als wir uns selber sind“, auch das ein Wort Augustins, das er immer wieder gebraucht. Gott ist nicht fremd. Er führt uns vielmehr zu uns selbst zurück.

Monika hat mit ihrer verschwenderischen Liebe zu ihren Kindern und insbesondere zu Augustinus den Grund gelegt, auf dem Augustins Erkenntnis der Liebe Gottes wachsen konnte. Gottes mütterliche Liebe zu uns, seinen Kindern – sie mag unsinnig und übertrieben wirken, wie die Liebe Monikas. Aber sie führt uns letzten Endes zum Ziel: Zum Leben in Fülle, das wir nur in Gott finden können.

Bis heute ist die verschwenderische Liebe von Eltern die Basis, auf der die Kinder ihren Weg gehen können. Und ich möchte vertrauen, dass Gott niemanden verlässt, der ihm einmal anvertraut wurde.

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July

2022

Sonnengesang. Harfenzauber und Gedanken zur Sommerzeit

Bruder Jeremias OSA

Sommerkonzert im Garten hinter der Brunnenkirche: Sabine und Thomas Lindner musizierten und lasen Texte über die Schöpfung. Harfe, Kantele und das Glockenspiel erklangen im Hof und begeisterten die zahlreichen Zuhörer.

„Sonnengesang“ hatten die beiden Künstler den Abend überschrieben. Br. Jeremias steuerte zwei kurze Augustinustexte bei.

Beim knisternden Feuer konnten die Zuhörer zum Beispiel ein Glas Wein genießen. Noch lange nach dem Konzert dauerten die Gespräche an. – Ein wunderbarer Abend!

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July

2022

Nachruf Sigrun Pabel

Bruder Jeremias OSA

Am frühen Morgen des 9. Juli 2022 ist Pastorin Sigrun Pabel im 85. Lebensjahr verstorben. Ihr Tod ist für uns Augustiner, besonders für die Mitbrüder in Erfurt, ein großer und schmerzlicher Verlust. Wir verdanken ihr sehr viel. Sigrun Pabel war als Kuratorin des Evangelischen Augustinerklosters zu Erfurt an einem engen und lebendigen Kontakt zu uns Augustinern interessiert. In ihrer Amtszeit sorgte sie dafür, dass stets ein Augustiner zum Reformationsfest im Erfurter Kloster predigte. Wenn Augustiner in die Stadt kamen, empfing sie die Brüder herzlich, so dass sie für viele Augustiner die erste Erfurterin war, die sie kennenlernten – abgesehen von unserem Mitbruder P. Dr. Adolar Zumkeller OSA, der in der Lilienstraße geboren wurde. Es ist Sigrun Pabel zu verdanken, dass wir Augustiner heute wieder in der Stadt sind. Dafür hatte sie immer wieder geworben. Auch Bischof Dr. Joachim Wanke unterstützte dieses Anliegen und schrieb mehrfach an die Provinzleitung. Die Ankunft der Augustiner im Jahr 2013 und den Weg der Gemeinschaft zum Konvent unterstützte Frau Pabel konstruktiv mit Rat und Tat.

An der theologischen Grundlegung der Vereinbarung zur Kooperation zwischen Augustinern und Reglergemeinde im September 2016 hatte sie großen Anteil. Ökumene betrieb sie als Herzensangelegenheit und stets mit großer theologischer Tiefe. Sigrun Pabel hat die Reglergemeinde viele Jahrzehnte als Pfarrerin und Seelsorgerin geprägt. Das blieb auch nach ihrem Eintritt in den Ruhestand so. Durch vielfältiges Engagement zeigte sie auch weiterhin ihre enge Verbundenheit mit „ihrer“ Gemeinde.

Jahrelang war Pastorin Pabel auch Proseniorin des Evangelischen Kirchenkreises Erfurt. Sie hatte stets die Armen und die Ökumene im Blick. So engagierte sie sich für den Aufbau des Christophorus-Werkes, für die Stadtmission, die ökumenische Ausgestaltung der Martinsfeier auf dem Domplatz, den Aufbau des Christlichen St.-Martin-Hospizes und vieles andere mehr. In all dem stellte sie sich selbst nie in den Vordergrund, sondern war darauf bedacht, dass Christus in allem geehrt werde. So feierte sie auch Gottesdienst. „Gott Gott sein lassen!“, war eine ihrer Mahnungen, die uns hoffentlich immer in den Ohren klingen werden. Sigrun Pabel war von einer klaren, tiefen Theologie geprägt. Sie kannte die Menschen – und sie mochte sie, besonders die Benachteiligten. Sie liebte die Schönheit der Kirchenmusik. Sie war streitbar und klar, aber nie unversöhnlich. „Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ (1 Kor 3,11). Dieses Wort aus der Liturgie des Reformationsfestes, das zugleich ihr Geburtstag war, stand wie ein Leitspruch über ihrem Leben und Wirken. Auf diesem Grund stand sie selber fest, darauf wollte sie als Theologin und Seelsorgerin bauen, es war auch ihr ökumenischer Standpunkt.

Mit Sigrun Pabel verlieren wir Augustiner und viele andere Menschen, denen sie sehr viel bedeutete, eine gottverbundene Seelsorgerin, eine kompetente Gesprächspartnerin und eine weise Freundin. Gott möge ihr das Gute vergelten, das sie uns getan hat.

Zum Paradies mögen Engel dich geleiten,
die heiligen Märtyrer dich begrüßen und
dich führen in die heilige Stadt Jerusalem.
Die Chöre der Engel mögen dich empfangen
und durch Christus, der für dich gestorben,
soll ewiges Leben dich erfreuen.

25

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June

2022

492. Jahrestag der "Confessio Augustana" (Augsburger Bekenntnis)

Bruder Jeremias OSA

Fürchtet euch nicht, euch vor den Menschen zu mir zu bekennen“, so ermutigt uns Jesus Christus. Am vergangenen Wochenende machten wir uns bewusst, dass wir als Christen zum selben "Haushalt Gottes" gehören. Das bedeutet ja das Wort „Ökumene“ eigentlich. Längst ist es doch so, dass wir uns gemeinsam zu Christus bekennen (müssen), gerade auch in einer Welt, die immer weniger von IHM weiß oder gar wissen will. Die Art und Weise, wie wir IHN verehren, mag etliche Unterschiede ausweisen. Dennoch verbinden uns die eine Taufe und das gemeinsame Bekenntnis zu Christus, dem Sohn Gottes.

Am 25. Juni 1530 legten die Evangelischen auf dem Reichstag zu Augsburg dem Kaiser ihr Bekenntnis vor. Melanchthon gelang damals ein Dokument, das, wenn auch nicht alle, so doch die meisten Protestanten einte. In den wichtigsten Punkten stimmen wir Katholiken mit ihnen überein. Das darf für uns Grund zur Freude sein. Deshalb beschäftigten wir uns an diesem Wochenende mit diesem historischen Ereignis und feierten es – gerade mit Blick auf das Jubiläum 2030 – als Dokument des gemeinsamen Glaubens.

Im Evangelischen Abendmahlsgottesdienst am Samstag Abend, dem Pfarrer Martin Möslein vorstand, sang eine Schola aus der Reglergemeinde unter der Leitung von Kantor i.R. Johannes Häußler.

Im Anschluss an den Gottesdienst gabe es im Garten noch einer Runde am Feuer. Dabei wurde ein Vortrag von Pastorin Sigrun Pabel verlesen, der die Umstände der Entstehung der CA beleuchtete. Wegen Krankheit der Autorin las Br. Jeremias den Text.

24

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June

2022

Herz-Jesu-Fest (& Johannes der Täufer)

Bruder Jeremias OSA

Das Hochfest der Geburt Johannes des Täufers wurde in diesem Jahr etwas verdrängt durch das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Und so wurde auch dadurch deutlich, dass der Täufer von sich weg auf den zeigt, auf den es tatsächlich ankommt: „Seht, das Lamm Gottes!

Johannes sagt: „Christus muss wachsen, ich aber ab­neh­men!“ Lassen auch wir Christus in uns Raum greifen: Er möge wachsen, in uns und in unserer Gemeinde, damit wir mehr und mehr SEIN Leib werden.

Mit einem schönen Gottesdienst, den Sabine Lindner musikalisch gestaltete, und anschließend einer Gesprächsrunde im Kirchhof konnten wir an einem angenehm warmen Sommerabend beide Feste angemessen feiern.